|
H0 Bäume selbst bauen? ...
...mit den richtigen Tricks funktioniert das sehr einfach!
Ein Baum hat in der Natur oft zwischen 20 und 40 Meter das entspricht in etwa 23 – 46 cm bei H0
Einige Höhen der in freier Natur stehenden Bäume sind z.B. :
Akazie, Birke bis zu 30m
Ahorn bis zu 35m
Buche, Eiche, Esche, Linde, Kiefer und Douglasie bis zu 40m
Fichte, Tanne bis zu 50m
Eine relativ einfache Art einen Modelbaum herzustellen ist die Verwendung von Elektrokabel, stil 10 mm2 Litze, z.B. Erdungslitze oder sonstiges Kabel. Einen dünneren Kabel, denke ich, ist für mittlere und mächtigere Bäume nicht zu empfehlen und auch der Start mit dem Bäumebau ist dann schwieriger.
Ich benutze immer mindestens 30-40 cm eines solchen Kabelstückes. Mit einem Cutter schneide ich den Mantel der Litze auf. Ungefähr 5 cm sollten jedoch im Mantel bleiben. Mit diesem Stück Kabel werden nachher die Wurzeln dargestellt. Meistens ist die Litze im inneren verdrallt und um die Drähte nicht zu verletzen, schneide ich den Mantel nicht zu tief auf. Nach dem abtrennen des Mantels, umwickele ich, mit einem der Litze, etwa 8-10 cm des Baumes. Dies wird nachher den Stamm darstellen. Somit habe ich bereits ein Anfang des Stammes und etwas zum festhalten. Siehe. Der restliche Drall der Litze entfessle ich indem ich das Kabel nun so drehe dass die einzelnen Litze fast alle auseinander fallen.
Damit der Stamm nun besser in der Hand liegt, wird dieses Stück mit Lötzinn verlötet. Nach einigen Versuchen musste ich allerdings feststellen dass der Lötkolben mindestens 100 Watt haben sollte sonst säße ich Weihnachten noch beim verzinnen, denn das Kabel wird einfach nicht heiß genug. Plan B ist besser: mit einer Lötflamme (Proxxon o.ä) funktioniert dieses Verzinnen einwandfrei.
Ein Stamm eines großen H0 Baumes hat 8-10 cm (7-8m). Die ersten Äste werden nun herausgezweigt. Dazu nehme ich etwa 15 einzelne Litzen zur Seite und umwickle diese mit der dem einzelnen Draht damit der erste dicke Ast vom Stamm sich abtrennt. 2 cm weiter noch mal das Gleiche, nochmals mit 12-15 Litzen. Die Älteren unteren Äste sind immer dicker als die Oberen. Wichtig ist auch dass die Äste nach allen Himmelsrichtungen gerichtet sind. Dies dann so weiter bis alle Drähte verarbeitet sind. Nach dem die Äste nun in etwa so aussieht wie der Baum später aussehen sollte verzinne ich die Äste auch, aber nur an den Stellen, wo die kleinen Zweige sich vom Ast trennen.
Mit dem Verzinnen werden der Stamm und die Hauptäste hart und ich kann ihn mit etwas Kraft, doch problemlos, in alle Formen biegen. Nach diesem Vorgang werden nun die Wurzeln geformt. Die brauchen nicht länger als 1,5-2 cm zu sein und werden auch verzinnt. Die fertigen Spitzen der Wurzel schneide ich mit einem starken Seitenschneider ab.
Der Baum hat nun seine Grundform erreicht. Im nächsten Abschnitt wird der Stamm mit einem etwa 1-1,5 Meter langen braunen Wollfaden umwickelt. Der Faden verdeckt das Kabel und ergibt eine schöne Rinde. Dieser sollte in der Wurzelgegend öfter übereinander gewickelt werden, somit ist und wirkt der untere Stamm etwas massiver und standhafter. Die dickeren Äste können auch umwickelt werden. Zum Schluss den Faden mit Weißleim, den ich mit etwas Wasser und 2-3 Tropfen Spülmittel verdünnt habe, einreiben (das Spülmittel dient dazu dass der Weißleim besser in den Wollfaden eindringt).
Wenn der Leim sich ausgehärtet hat, wird nun der Stamm, die Äste und die Zweige mit brauner Abtönfarben eingefärbt. Für diejenigen, welche ein Airbrush ihr Eigen nennen können, haben die Möglichkeit die kleinen Äste und Zweige zu spritzen.
Je nach Baumart kann für den Stamm und die dickeren Äste die Farbe mit getrockneter brauner, sehr fein geriebener Erde und etwas Wasser gemischt werden. Auch hier kann ein Tropfen Spülmittel Wunder wirken. Die Erde macht den Stamm rau und imitiert die Baumrinde. (sehr wirkungsvoll bei Tannen).
Nach dem Trocknen der Farbe kommt nun das Formen der Zweige an die Reihe. Die Äste werden mit einer Zange oder dicken Pinzette einfach wild hergerichtet, so dass diese den ganzen Baum ausfüllen. Falls die Farbe von den einzelnen Drähten sich ablöst, sollten nun nachgebessert werden. Nach dem Beflocken ist Nachtönung sehr umständlich und funktioniert fast ausschließlich mit der Airbrushpistole.
An der Nordseite des Baumes kann noch gegebenenfalls mit etwas grüner Farbe Moos angedeutet werden. Entweder den ganzen Stamm oder auch nur die Wurzelgegend. Das Resultat sollte nun einen Baum im Winterzustand zeigen.
Falls ich einen belaubten Baum haben will ist nun der Moment der Beflockung erreicht. Beflockungsmaterial kann man kaufen oder selbst herstellen. Heki, Faller oder andere Hersteller haben dieses in allen Farbvarianten. Es kommt halt nur auf die Dicke der Flocken an, und die sollten natürlich der Größe des Baumes angepasst sein. Ich bevorzuge Heki.
Sehr schönes Beflockungsmaterial kann man allerdings selbst herstellen und es sieht noch dazu besser aus als all die Ware die man kaufen kann. Der Wald liegt voll davon.
Ich habe im Herbst frisch herabgefallene Blätter gesammelt und getrocknet.Auch Petersilie ist sehr wirkungsvoll. Diese dann nach guter Trocknung in einer Kaffeemühle zu kleinen Stücken gemahlen.
Anschließend wird das gemahlene Laubwerk durch einen herkömmlichen Küchensieb vom „Staub“ getrennt. Im Sieb bleiben die Blätter des zukünftigen Baumes liegen. Das Resultat sieht auf dem Baum bestimmt besser aus als im Sieb. Wagen Sie den ersten Versuch.
Falls ich grüne Blätter haben will muss ich nur grüne Blätter sammeln und trocknen. Ihre grüne Farbe verlieren die Blätter teilweise nach der Trocknung, weshalb ich den Baum nach Fertigstellung nochmals mit der Airbrushpistole bearbeite. Dann so mahlen wie oben beschrieben. Sammelt man Blätter in den verschiedensten Jahreszeiten, kann man faszinierende Resultate erhalten. Der gesiebte Staub kann zudem noch als Bodendeckung gebraucht werden.
Die Beflockung des Baumes ist am einfachsten mit Sprühkleber. Mit einem Sprühkleber aus der Sprühdose gelinkt das ‚verkleben’ der Äste am besten. Nach dem Besprühen die Flocken einfach drauf streuseln. Falls die Äste dicker wirken sollen sofort noch mal besprühen und beflocken.
Der erste selbst hergestellte Baum den ich in Händen hielt überzeugte mich voll und ganz ... und die Nächsten wurden alle besser.
Es gibt eine Menge anderer Möglichkeiten, Bäume selbst herzustellen, Anleitungen für andere Methoden findet man in den bekannten Modellbau-Zeitschriften wie MIBA, Loco Revue usw.
Die Formen der verschiedenen Bäume kann man auf dem Internet finden z.B. bei
www.stihl.de - Know how - Baumlexikon
oder anderen Seiten. Auch einen aufmerksamen Blick in ihrer Umgegend kann schon die Fantasie anregen.
Basteltipp von KIRSCH Guy
zurück
|